Der Mann für besondere Momente

Januar 20, 2019

Der Mann für besondere Momente

Fabian Wiede sorgte für eine der besten Szenen der bisherigen WM.

Im Spiel gegen Russland lief er vom rechten Rückraum auf die Mitte zu und ging in die Luft, zwei russische Verteidiger sprangen ihm entgegen. Und Wiede? Der passte den Ball einfach ohne hinzusehen hinter seinem Kopf auf Kreisläufer Hendrik Pekeler, der die Aktion per Treffer vollendete.

In den sozialen Medien wurde die Aktion gefeiert. Wiede bewies damit einmal mehr: Er ist der Mann für die besonderen Momente im deutschen Spiel – und ist darum auch gegen Island zum Start der Hauptrunde gefordert.

„Fabi Wiede ist schon ein cooler Handballer“, sagte Matthias Musche auf SPORT1-Nachfrage: „Der hat eine unfassbare Übersicht. Eigentlich kann er alles – und ist auch ein cooler Typ.“

Bester Spieler gegen Frankreich

Auch im Duell mit Frankreich versprühte der Zocker Zauber, ob durch kreative Ideen oder krachende Tore. Er brachte Schwung in die Partie und wurde zu Recht als bester Spieler ausgezeichnet.

Und in der abschließenden Vorrundenpartie gegen Serbien begeisterte Wiede mit einem langen Traumpass auf Musche sowie einem Treffer aus der eigenen Hälfte, als das serbische Tor verwaist war. Ein breites Grinsen huschte über sein Gesicht.

Anschließend gelang Torhüter Silvio Heinevetter mit der Schlusssirene das gleiche Kunststück – ebenfalls zu Wiedes Freude.

„Ich bin mal gespannt, ob Silvio nach seinem Tor einen ausgibt. Da wir am Samstag aber wieder ein schweres Spiel haben, wird es wohl eher auf eine Cola hinauslaufen“, witzelte Wiede anschließend.

Die DHB-Stars trainieren in Köln für die Hauptrunden-Spiele gegen Island, Kroatien und Spanien. Silvio Heinevetter erzielt beim Trainingskick ein Traumtor.

Nach Weinholds Verletzung endgültig gefragt

Der Linkshänder der Füchse Berlin entwickelt sich zum Schlüsselspieler, nachdem er zu Beginn des Turniers verhältnismäßig wenig zum Zug gekommen war.

Doch auch wegen der Verletzung von Steffen Weinhold ist Wiede aktuell ein gefragter Mann. Der 24-Jährige übernimmt trotz seines eher jungen Alters auch in entscheidenden Momenten Verantwortung – wie schon in der Jugend.

„Was da gerade auf dem Feld passiert, habe ich schon immer gut lesen können“, erklärte Wiede, der 2016 mit dem DHB-Team Europameister wurde, die anschließenden zwei Turnier aber verpasste, dem Mannheimer Morgen.

Guter Mix mit Strobel und Wiede

Immer wieder schwärmt Bundestrainer Christian Prokop vom guten Mix auf der Spielmacher-Position.

Einerseits der routinierte Martin Strobel, der beim Zweitligisten Balingen unter Vertrag steht, aber ein erstklassiges Turnier spielt. Strobel ist ein klassischer Spielmacher mit ordnender Hand, die bei der enttäuschenden EM im Vorjahr gefehlt hat.

Uwe Gensheimer freut sich nach der erfolgreichen Vorrunde in Berlin auf das Publikum in Köln und erwartet ein Spektakel.

Andererseits eben Wiede, dessen Hauptposition im rechten Rückraum liegt, bei dem laut Prokop „Sachen rauskommen, die man nicht besser aufmalen kann“.

Als Linkshänder auf Rückraum Mitte gibt er dem deutschen Spiel eine neue Facette und sorgt damit auch für Kopfzerbrechen bei gegnerischen Defensiven, die auf Rechtshänder eingestellt sind.

„Dieser Mix muss gut sein, um den Gegner vor unterschiedliche Aufgaben zu stellen“, hatte Strobel bei SPORT1 vor Turnierstart erklärt.

Spektakulärer Assistgeber

Wiede spielt mit mehr Risiko, weshalb „Fabi mehr Fehler als andere machen darf, weil er auch mehr Tore vorbereitet als andere“, wie DHB-Vizepräsident Bob Hanning dem Mannheimer Morgenerklärte. Womit er Recht hat: Mit 13 Assists ist Wiede Deutschlands bester Vorlagengeber.

Hanning kennt Wiede bestens. Denn er ist nicht nur Manager der Füchse Berlin, sondern war dort auch schon Wiedes Jugendtrainer – und musste dem talentierten, aber nicht immer fokussierten Rückraumspieler häufiger mal in den Hintern treten.

„Wenn man ihm das Spektakuläre nimmt, nimmt man ihm sein Spiel“, weiß Hanning. Die deutschen Fans sollten sich in der Hauptrunde also Spektakel erhoffen. Denn dann läuft Wiede zur Hochform auf – und damit auch das deutsche Spiel.

Quelle: Sport1 vom 19. Januar 2019


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