Fabian Wiede - der Mann für die großen Spiele

Januar 28, 2019

Fabian Wiede – der Mann für die großen Spiele

Fabian Wiede gehört bei der Handball-WM zu den wichtigsten deutschen Spielern.
Bild: Marius Becker, dpa
Wenn es eng wird, übernimmt bei den deutschen Handballer vor allem der Berliner Verantwortung. Dabei fehlte ihm früher noch der unbedingte Leistungswillen.

Eine Tasse Kaffee. Reden. Fokussieren. Vielleicht kritisieren. Aber bestimmt motivieren. So läuft das ab, wenn sich Bob Hanning und Fabian Wiede für eine halbe Stunde zurückziehen und zusammensetzen. Vor großen Spielen machen sie das immer. Und ein solch großes Match steht für die deutschen Handballer an diesem Freitag (20.30 Uhr/ARD) bei der Heim-WM an. In Hamburg steigt das Halbfinale gegen die starken Norweger.

Wenn die bei diesem Turnier noch ungeschlagenen Deutschen das Endspiel am Sonntag im dänischen Herning erreichen wollen, dann brauchen sie einen Fabian Wiede in Topform – egal, ob er im rechten Rückraum oder als Spielmacher eingesetzt wird. „Er ist geboren für die wichtigen Partien“, sagt Hanning. Er muss es wissen. „Es gibt kaum einen, der ihn besser kennt als ich“, erklärt der Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes, der gleichzeitig Manager des Bundesligisten Füchse Berlin ist und dort auch als Jugendtrainer arbeitet.

Bob Hanning bezeichnet den jungen Wiede als „totalen Individualisten“

2009 lockt er den Linkshänder vom VfL Potsdam in die Bundeshauptstadt. Wiede ist damals 15 Jahre alt. Ein Riesentalent. Was ihm fehlt ist der unbedingte Leistungswillen. „Er wollte gar nicht zu mir“, erinnert sich Hanning und lächelt: „Weil ihm das zu anstrengend war.“ Der mächtigste Mann im deutschen Handball bekommt aber meistens das, was er will – auch Wiede. Es ist der Anfang einer erfolgreichen Liaison. „Mein größtes persönliches Werk“, sagt Hanning heute. Ein bisschen Stolz schwingt in der Stimme mit. Denn er weiß, dass es ein steiniger Weg war.

Starker Rückhalt und starker Linkshäner: Torwart Andreas Wolff (r) und Fabian Wiede.
Bild: Marius Becker (dpa)

Als „totalen Individualisten“ bezeichnet der Füchse-Boss den jungen Wiede. „Es war schwierig, ihn in ein Orchester einzubinden“, erklärt er. Doch es klappt. Wiede gewinnt mit den Füchsen in der Jugend vier Mal die deutsche Meisterschaft, holt später mit der Bundesliga-Mannschaft den DHB-Pokal, den Weltpokal und zweimal den EHF-Cup. Immer ist der Linkshänder maßgeblich an den Triumphen beteiligt. So auch 2016 bei der Europameisterschaft in Polen. Den entscheidenden Treffer zum 25:23 des deutschen Teams im Hauptrundenfinale gegen Dänemark wirft Wiede.

Bei dieser WM trumpft der 24-Jährige bislang vor allem in den großen Partien auf – in der Vorrunde gegen Frankreich und in der Hauptrunde gegen Kroatien, als ihm sechs Treffer gelingen. Er ist aber nicht bloß ein Schütze, sondern ein Entscheider, der den Überblick behält, der die Mitspieler in Szene setzt – und der Verantwortung übernimmt. Das hat er früh bei seinem Förderer Bob Hanning gelernt. Im Gegenzug hat der ihn schon immer mit besonderen Freiheiten auf dem Feld ausgestattet. „Sonst beraubst du ihm seiner Stärken“, sagt Hanning.

„Kümmere du dich um die Taktik, ich kümmere mich um die Mannschaft“

Als 2013 das A-Jugend-Finale gegen den SC Magdeburg zu kippen droht, gibt es Anfang der zweiten Hälfte ein kurzes Gespräch an der Außenlinie zwischen Torjäger und Trainer. „Kümmere du dich um die Taktik, ich kümmere mich um die Mannschaft“, hat der rechte Rückraumspieler damals gesagt. Das Ende ist bekannt. Der Titel geht nach Berlin.

Außerhalb des Feldes sind von Wiede selten laute Töne zu vernehmen. Ganz im Gegenteil. Verbal hält er sich mit seiner sonoren Stimme zurück. „Wir müssen uns bewusst machen, dass wir jedes Spiel gewinnen können“, sagt er am Mittwochabend nach dem 31:30-Sieg gegen Spanien.  So klingt keine Kampfansage in Richtung Norwegen. Aber natürlich brennt der Instinkthandballer auf dieses Halbfinale. Auf das er sich einstellt, wie auf jedes großes Spiel. Mit der Mannschaft. Mit dem Trainer. Und mit seinem Förderer. Bei einer Tasse Kaffee.

Quelle: Augsburger Allgemeine vom 24.01.2019


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